Ausbeutung

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Hauptartikel

Unter Ausbeutung werden im allgemeinen Knechtschaft, unmenschlich Arbeitsbedingungen mit unphysiologisch langen Arbeitszeiten (Sklaverei) oder Hungerlöhne mit einem Leben am Rande des Existenzminimums assoziiert.
Ja, die Arbeitsbedingungen sind heute wesentlich angenehmer als früher. Ja, die Arbeitszeit ist heute kürzer als früher. Ja, auf Arbeit wird niemand mehr geschlagen oder ausgepeitscht. Ja, es muß heute kaum noch einer hungern. Ja, die Wohnungen werden immer größer und die im Eigentum befindlichen Waren (Wohnung, Kühlschrank, Waschmaschine, Auto bis hin zum Zweitwagen) gehören heute fast zur ´Normalausstattung´ eines Arbeiterhaushaltes. Kann man angesichts dieser enormen Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen noch von Ausbeutung reden?
Unter Ausbeutung verstehen die Murxianer die unentgeltliche Aneignung von Teilen der hergestellten Produkte durch die Eigentümer der Produktionsmittel (den Kapitalisten). ´Entgeltlich´ hat übrigens nichts mit Geld zu tun, sondern kommt von ´vergelten´. Der Begriff ´vergelten´ hat wiederum mehrere, zum Teil diametrale Bedeutungen und reicht von ´jemanden eins auswischen, sich rächen´ bis zu ´jemanden belohnen, sich erkenntlich zeigen, etwas wieder gutmachen´. Unter den sich spätestens seit Krösus immer mehr durchsetzenden Tauschverhältnissen Ware ⇔ Geld und Geld ⇔ Ware wurde unter ´vergelten´ das Auszahlen von Lohn verstanden und entgeltlich nahezu untrennbar mit Geld in Verbindung gebracht.
Die Murxianer verstehen unter ´unentgeltlich´ ´sich an jemanden schadlos halten, jemandem etwas vorenthalten´. Aber nun bekommt doch jeder Lohnarbeiter für seine Arbeit eine bestimmte Geldmenge, also eigent sich der Kapitalist die hergestellten Produkte doch nicht unentgeltlich an! Die Murxianer fangen nun mit der Unterscheidung zwischen Nominal- und Reallohn an und ´beweisen´, daß selbst bei steigenden Löhnen die Ausbeutung zunimmt, wenn die Preise schneller steigen als die Löhne. Was die Murxianer immer noch nicht begriffen haben, ist der Umstand, daß man Mengen unterschiedlicher Art nicht miteinander vergleichen kann. Äpfel sind nun einmal etwas anderes als Birnen, und eine Waschmaschine ist nun einmal etwas anderes als Papierscheine, Metallmünzen oder elektronische Spannungszustände. Von unterschiedlichen Mengen kann man nur Eigenschaften der gleichen Art vergleichen – und das ist im ökonomischen Sinne nun einmal die in der Waschmaschine und die in einem Papierschein steckende menschliche Arbeitszeit. Zum Glück haben diesen Umstand auch schon ein paar Murxianer verstanden, sind dann aber nicht so konsequent, um dieses Prinzip bis zum Ende durchzuziehen, wie ein Ausschnitt aus Prof. Klaus Müllers Traktat „Ausbeutung und EInkommensverteilung“ in ZME, Heft 113, S. 33 verdeutlicht. Er schreibt: „Eigentlich müßte ermittelt werden, wie sich das Verhältnis von unbezahlter Arbeitszeit zu bezahlter Arbeitszeit darstellt. Da wir den Wert der Waren aber nicht in Arbeitszeitstunden ausdrücken, sind wir auf monetäre Analysen angewiesen.“

Ja, lieber Herr Müller, die Kapitalisten, vor allem die Geldkapitalisten wissen, warum sie den Rest der Menschheit in dem alten Irrglauben ´x Ware A = y Geld´ lassen und den Wert der Waren nicht in Arbeitszeitstunden ausdrücken. Leider gehen die professoralen Murxianer den Geldkapitalisten immer voll auf den Leim, wahrscheinlich weil auch sie sofort Hungers sterben würden, denn alle Bäcker dieser Welt würden ihre Brötchen niemals gegen deren Pamphlete tauschen.

Herr Müller schreibt weiter: „Der Wert der Waren ist die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. … Die Waren können die zu ihrer Herstellung benötigte Zeit nicht unmittelbar ausdrücken. Sie drücken sie in einer anderen Ware aus, der Geldware.“

Hier übernimmt Herr Prof. Müller gedankenlos und völlig unreflektiert den Schwachsinn seines Meisters. Der erste Satz ist noch vollkommen richtig und naturwissenschaftlich konsistent. Der zweite Satz auch noch, bedarf aber schon ein paar Anmerkungen. Nichts auf dieser Welt kann irgendetwas ausdrücken, weder ein Stein wie schwer er ist, noch eine Ware wie lange jemand zu deren Herstellung arbeiten mußte. Etwas ausdrücken kann nur der Mensch! Und der (bzw. die Menschen) können die zur Herstellung einer Ware benötigte Arbeitszeit sowohl ermitteln als auch ausdrücken. Der letzte zitierte Satz des Herrn Müller widerspricht dann komplett naturwissenschaftlichen Prinzipien. Der Wert einer Ware ist eine Größe – und eine Größe ist nun einmal keine reale Menge (in diesem Fall Geldmenge). So mischen sich bei Herrn Müller, wie auch bei seinem Meister Wahrheiten, Halbwahrheiten und Irrtümer. Es ist allerhöchste Zeit, daß die Wirtschaftswissenschaftler mal einen naturwissenschaftlichen Grundkurs über Größen und Einheiten belegen!

Definition

Zurück zur Ausbeutung. Ausbeutung ist die inäquivalente Aneignung von Produkten. Unter Inäquivalenz verstehen wir hier den Unterschied zwischen dem geschaffenen Produktwert der geleisteten Arbeit und dem Produktwert des dafür empfangenen Lohnes. Da es zwischen den beiden Vorgängen ´Arbeitsprodukt ⇔ Lohn´ (heutzutage Euro) und ´Euro ⇔ Waren´ eine Produktwertsingularität gibt (zum Produktwert elektronischer Spannungszustände siehe Link), müßten die Murxianer also den Produktwert des Arbeitsproduktes mit dem Produktwert des Warenkorbes pro Lohnarbeiter vergleichen. Aus diesem Verhältnis könnten sie dann endlich einen naturwissenschaftlich konsistenten Grad der Ausbeutung berechnen. Angenommen, der Produktwert des hergestellten Arbeitsproduktes betrage 8 Stunden, und der Produktwert des Warenkorbes, den sich der Lohnarbeiter dafür kaufen kann, betrage 4 Stunden, dann würde der Grad der Ausbeutung 100 % betragen. Was sowohl Murxianer, als auch Gewerkschafter leider immer wieder vergessen, ist der Umstand, daß der Kapitalist das angeeignete Arbeitsprodukt auch erst verkaufen muß, bevor er den Lohn des Arbeiters auszahlen kann. Und leider Gottes kann es vorkommen, daß auch ein Kapitalist auf der angeeigneten Ware sitzen bleibt.

Einen Hinweis noch an die Murxianer: Wenn es keine Arbeitszeitrechnungen gibt (Herr Müller, ZME Heft 113, S. 33), dann fertigt welche an. Fangt mit Schätzungen an und dann könnt ihr mit Hilfe des Statistischen Bundesamtes immer genauer werden. Noch einen kleinen Hinweis: Es gab schon mal eine gesellschaftliche Bestimmung der Arbeitszeiten (noch deutlicher möchte ich an dieser Stelle nicht werden).

1830 bei William Thompson

gute Definition in William Thompson

1963 bei Peter Thal

„Beim Austausch zwischen Kapital und Arbeit gibt der Kapitalist als Käufer offensichtlich weniger an vergegenständlichter Arbeit in Gestalt des Lohnes als er an lebendiger Arbeit vom Verkäufer, also dem Arbeiter, erhält.“ P Thal in Einf zum Reichtum der Nationen, 1.Bd, S. XL

Die Murxisten haben wirklich nicht viel begriffen. Kapital ist eine reale Menge, Arbeit eine Tätigkeit – beides (also reale Menge und Arbeit) kann sich nicht gegeneinander austauschen, sondern wird von Menschen gegeneinander ausgetauscht. Wenn die Murxisten dann noch begreifen würden, daß von den realen Mengen (und Teilmengen) immer nur Größen gleicher Einheit miteinander vergleichbar sind, würde auch der einfache Arbeiter an der Werkbank begreifen, daß in 1.000 Euro (die er vielleicht als monatlichen Lohn bekommt)so gut wie gar keine Arbeitszeit mehr steckt, während in seinen Produkten, die er in einem Monat hergestellt hat, rund 20 Tage x 8 h/d = 160 h Arbeitszeit stecken. Den Unterschied zwischen 0 Sekunden und 160 Stunden Arbeitszeit müßte eigentlich schon jeder Handwerkergeselle begreifen.