Gerechtigkeit

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Hauptartikel

Keine einzige Beziehung zwischen zwei Menschen kommt ohne eine Vorstellung von Gerechtigkeit aus. Gerechtigkeit gilt als eine Grundnorm des menschlichen Zusammenlebens, einer jeden Gesellschaft. Gerechtigkeit ist ein großes Wort mit enormer Tragweite, aber leider ohne allgemeingültige Definition. Über die Frage, was Gerechtigkeit ist, erzielt man unter mehreren Gesprächspartnern höchstens auf einer sehr abstrakten Ebene Einigkeit. Eine konkrete Gerechtigkeit, die von allen akzeptiert wird, gibt es scheinbar nicht. Es ist meistens so, daß einen die persönlich erlittene Ungerechtigkeit mehr plagt, als die Ungerechtigkeiten, welche andere erleiden müssen. Die persönlich gefühlte Ungerechtigkeit sagt dann mehr etwas über die Person als über die Situation aus. Persönlich erlittene Ungerechtigkeit trägt die Elemente unerfüllter Bedürfnisse, Erwartungen oder Ansprüche in sich.
Mit der Forderung nach Gerechtigkeit verlangt man im Grunde von anderen, daß die eigenen Bedürfnisse und Erwartungen erfüllt werden. Mit dieser Forderung erhofft man sich quasi von anderen die Lösung der eigenen Probleme. Der inneren Fixierung von den Gerechtigkeitsaposteln liegt meistens die feste Überzeugung zugrunde, selber Opfer einer Ungerechtigkeit zu sein. Die größten Widersacher des Friedens zwischen den Menschen sind persönlich gefühlte Ungerechtigkeiten. Solange man sich bei anderen über persönlich gefühltes Unrecht beklagt, verbaut man sich den Weg, selber für die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse zu sorgen. Der erste Schritt zu Lösung wäre die Reflektion des vermeintlichen Unrechts oder noch besser, sich in die Lage des Menschen zu versetzen, durch den man sich ungerecht behandelt fühlt. Das erscheint zwar wie eine verkehrte Welt, wenn sich das Opfer um den Täter bemühen soll – aber vielleicht ist die Situation aus der Sicht des vermeintlichen Täters ganz gerecht? Gerechtigkeit ist immer subjektiv! Die Gerechtigkeit des einen hat häufig nichts mit der Gerechtigkeit des anderen zu tun. Ein leidenschaftliches Eintreten für die eigene Gerechtigkeit führt dann in eine Sackgasse und polarisiert, statt auszugleichen. In einer Krise kommt es zur gegenseitigen Blockade der rivalisierenden Auffassungen. Der gesellschaftliche Notausgang für die Ambivalenz von der Gerechtigkeit des einen und der Ungerechtigkeit des anderen sind Regeln, Normen und Gesetze. Gerechtigkeit wird durch das Diktat der Gesetze ersetzt. In einem Gerichtsprozeß verkommt die Gerechtigkeit aber zu einem Taktieren der Anwälte. Gerechtigkeit kann es im Grunde nur geben, wenn eine Lösung erarbeitet wird, welcher die streitenden Parteien auch innerlich zustimmen.

Was ist Gerechtigkeit?

Nach einem kurzen Moment des Nachdenkens bekommt man darauf meistens folgende Antworten: ´Gleiche Bedingungen für alle!´, ´Soziale Gleichheit für jeden!´, ´Gleiche Behandlung vor dem Gesetz!´, ´keine Bevorzugung, Vetternwirtschaft oder Vorteile durch Beziehungen oder Korruption!´. Hinter der Forderung nach Gerechtigkeit verbirgt sich oft der Wunsch nach Gleichheit. Meistens verlieren die Apostel der Gerechtigkeit ihre soziale Gesinnung und reagieren mit Wut und Aggression, wenn sie etwas für ungerecht halten. Aber was ist Ungerechtigkeit? Wenn Gerechtigkeit so etwas wie Gleichheit ist, dann müßte Ungleichheit die pure Ungerechtigkeit sein. Aber überall auf dieser Welt gibt es Unterschiede, von der körperlichen Konstitution bis hin zum Intelligenzgrad, vom Gesundheitszustand bis zur Lebenserwartung, von der Anzahl erlittener Unfälle, seelischer Traumen, bis hin zu Hunger, Durst und anderen die Lebensqualität einschränkenden Umständen, im Grad der elterlichen Zuneigung und Fürsorge bis hin zu materiellen und geistigen Unterstützungen. Scheinbar alles auf dieser Welt ist ungleich verteilt und keiner stört sich daran. Die Apostel der Gerechtigkeit empfinden meistens das als ungerecht, wo sie selbst Nachteile ´erleiden´ müssen. Der Gerechtigkeitsapostel steht also meistens auf der eigenen Erfolgsleiter, auf der er mehr oder weniger weit voran gekommen ist, hat die Augen stets nach oben gerichtet, um festzustellen, was diejenigen über ihn mehr haben als er. Dabei vergißt er meistens auch mal nach unten zu schauen und anderen durch Verzicht oder Entgegenkommen nach oben zu helfen. Die wenigsten Apostel sind bereit, um den Willen der Gerechtigkeit auf ihre Gesundheit oder auf einen Teil ihrer finanziellen, körperlichen und/oder geistigen Ressourcen zu verzichten, um dadurch ihren Teil zur Verringerung von Hunger, Armut, Leid, Krieg oder Krankheit beizutragen.
Fazit: Gerechtigkeit existiert nicht wirklich oder tatsächlich. Sie ist etwas vorgestelltes, was an die eigenen und ganz persönlichen (individuellen) Normen gebunden ist. So kann jeder für sich entscheiden, was er persönlich für gerecht und was er für ungerecht hält.

wirtschaftliche Gerechtigkeit

Trotz der vorangegangenen Ausführungen stelle ich folgende These von einer wirtschaftlichen Gerechtigkeit auf:
„Ein Austausch zweier Produkte ist dann gerecht, wenn die Produktwerte der beiden Produkte einander gleich sind, p1 also gleich p2 ist oder p1 = p2.“