Physiokratie

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Die Physiokratie (oder der Physiokratismus) ist die Weiterentwicklung des Merkantilismus. Q: DHM, S. 39

Hauptartikel

„Die Physiokratie ist eine französische Schule der Ökonomie, deren Hauptschaffensperiode in das 3. Viertel des 18. Jh fällt und somit als direkte ideologische Vorbereitung der französischen bürgerlichen Revolution von 1789 zu werten sind. In dieser Zeit ging bereits eine beträchtliche kapitalistische Entwicklung in Frankreich vor sich, auf deren Grundlage die französische Bourgeoisie zum Sturm auf die weltliche und klerikale Macht des Feudaladels ansetzte. Die Physiokraten blieben aufgrund ihrer engen Liierung mit dem französischen Hof zum Teil noch selbst in der feudalen Gedankenwelt gefangen, vertraten dem Wesen nach aber schon bürgerliche Ansichten.“ P Thal in Einf zu Reichtum der Nationen, 1.Bd, S.XXI

„Die Physiokraten haben als erste versucht, die Gesetzmäßigkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung vom Standpunkt der Produktion aus zu erklären. Zwar haben die französischen Physiokraten ausschließlich die landwirtschaftiche Arbeit als produktiv angesehen, aber sie verlagerten damit die Quelle des Wertes eindeutig in die Sphäre der Produktion und nicht in die Zirkulation, die für die englischen Ökonomen aufgrund des dort viel weiter entwickelten Außenhandels eine zentrale Stellung einnahm.“ P Thal in Einf zu Reichtum der Nationen, 1.Bd, S.XXIII

Leider wird bis in die heutige Ökonomie nicht zwischen Produktwert und Tauschwert unterschieden. Der Produktwert entsteht eben in der Produktion und der Tauschwert kommt erst im Austausch zweier Ware zum Vorschein. Beide Sphären sind also völlig gleichberechtigt.

Die Physiokraten fassen den Arbeitsprozeß (also die Produktion materieller Güter zur Befriedigung individueller und gesellschaftlicher Bedürfnisse) als eine physiologische Form der Gesellschaft auf. Die Physiologie ist in der heutigen Zeit (2018) eine Wissenschaftsdisziplin, die sich mit den Lebensvorgängen in den Zellen, Geweben und Organen aller Lebewesen beschäftigt. Sie bezieht das Zusammenwirken aller physikalischen, chemischen und biochemischen Vorgänge im gesamten Organismus in ihre Betrachtung ein. Man könnte sagen, daß die Physiologie die Lehre vom Stoffwechsel eines Organismus ist und diese Deutung auf die ökonomischen Auslegungen der Physiokraten übertragen. Für die Physiokraten war die Produktion, Konsumtion und Akkumulation von materiellen Gütern ein Stoffwechsel der menschlichen Gesellschaft mit der Natur. KM in MEW 26.1, S.12, mod IE, 2018

„Die Physiokraten beginnen, die Produktionssphäre in den Mittelpunkt der Analyse zu stellen. Als einzige, Mehrwert produzierende Tätigkeit wird nur die Landwirtschaft (= Agrikultur) angesehen.“ Q: DHM, S. 39
„Die Physiokraten sind in der Tat die ersten Dolmetscher des Kapitals, welche versuchen, die Natur des Mehrwerts zu analysieren. Die Analyse des Mehrwerts fällt für sie mit der Analyse der Rente (Grundrente, Bodenrente, Bergwerksrente, …) zusammen – der einzigen Form, worin für sie der Mehrwert überhaupt existiert.“ KM: Das Kapital, Bd 3, S. 792
„Ökonomische Stilrichtung, welche Geldvorschüsse (avances) als Kapital bezeichnen.“ KM2, S.221

Führende Vertreter

1694 – 1774 Francois Quesnay
Anne Robert Jaques Turgot.

Querverweise

Mehrwert-Definition der Physiokraten (siehe Artikel Mehrwert)